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Ich
werde dir nun auf sehr einfache und märchenhafte Weise erzählen, wie
die Geschichte mit der Liebe begann. Warum sich alles um sie dreht
und sie das einzige ist, was wirklich Bedeutung hat.
Stell dir vor, zu einer Zeit, als es noch keine Zeit gab und
auch sonst nichts, gab es nur Gott. Und Gott war die pure Liebe.
Ein herrlicher Zustand! Ich meine, die pure Liebe zu sein, das
ist schon was. Mehr geht nicht. Das ist das Absolute! Aber
irgendwann, aus heiterem Himmel, ganz plötzlich, begann Gott
sich unwohl zu fühlen. Anfänglich hielt er dieses Gefühl für
eine leichte Gemütsstörung, die er augenblicklich mit seiner
Liebe heilte. Ein Fingerschnipper. Trotzdem gab es ihm zu
denken. " Wie kann die pure Liebe unter Gemütsschwankungen
leidern?"
Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen, verschrieb sich
Gott mit sich selbst eine Gesprächstherapie. Er nahm die Sache
sehr ernst. Verständlich. Da suhlt er sich tausende Millionen
Jahre in der Gewissheit vollkommen zu sein und plötzlich
kribbelt da etwas in der Bauchgegend herum und verursacht ein
komisches Gefühl. Das erschreckte ihn.
Gott blickte also leicht besorgt in sein Herz und erkannte,
etwas irritierte, dass er eigentlich ewig bloß Selbstgespräche
geführt hatte. Nicht etwa, dass er an anfänglicher Schizophrenie
litt. Das will ich damit nicht behaupten. Schließlich können
Selbstgespräche im Bezug auf Selbstanalyse durchaus Sinn machen.
Allerdings, wenn man nur Selbstgespräche führt, also
ausschließlich mit sich selbst kommuniziert, äh, (räusper) das
kann mit der Zeit sehr wohl zu gewissen Bewusstseinstörungen
führen. Natürlich nicht bei Gott! Natürlich nicht! Gott litt, so
wie ich das sehe, ganz einfach an einer Art göttlicher
Langeweile. Und das kann man ihm nicht übel nehmen. Er selbst
jedoch würde sich eine derart profane Gefühlsregung nie
eingestehen. Na vielleicht lieg ich ja auch wirklich falsch. Wie
auch immer. Er hatte jedenfalls eine aufregende Erkenntnis. Er
begriff, dass er zwar die pure Liebe war, aber auch, dass er
sich noch niemals als solche erfahren hatte! Und zu wissen, was
man ist, ohne es jemals erfahren zu haben, ist ein Wissen ohne
Erfahrung. Verstehst du das? Das ist so, als würde dir jemand
erklären, dass du ein Mensch bist und du hast aber nie gelebt!
Woher sollst du dann wissen, wie es ist ein Mensch zu sein?
Eben.
Uns so machte sich in Gott stille Sehnsucht breit. Er begann
sich danach zu sehnen die Liebe zu erfahren. Ohne zu zögern
berief er mit sich eine Sitzung ein und erklärte sich feierlich,
dass er beschlossen hatte sich selbst kennen zu lernen!
Großartig! Bei einem Glas Sprudelnektar wurde der Beschluss
einstimmig angenommen. Dann verwandelte sich Gott in einen
Projektmanager und ging enthusiastisch an die Arbeit. Es gab
viel zu tun. Zuerst entwarf er ein Event-Konzept. "Ohne
Konzept", sagte er sich, agiert man kopflos." Das war
einleuchtend. So entstand, Schritt für Schritt, der gesamte
Schöpfungsplan. Also, da Knie ich vor ihm, die Dekoration ist
ein Meisterwerk für sich. Was sich da alles dreht, leuchtet,
blinkt, blüht, stürmt, keucht, zwitschert, brüllt, entsteht und
wieder vergeht, mit sich und ineinander vernetzt ist......man
kommt aus dem Staunen nicht heraus. Uns selbst nach
Jahrtausenden des Hinschauens und Beobachtens entdeckt man immer
noch
Details. Schon deshalb bin ich ein absoluter Fan von ihm.
Aber das gehört nicht zum Thema. Tolle Deko ist wichtig, sagt
aber nichts über den Inhalt aus. Dieser Inhalt, aus deiner Sicht
der Kern der ganzen Geschichte, fehlte noch. Richtig. Nämlich
du. Also ihr, die Menschheit. So erschuf Gott zuerst einmal
diesen wunderbaren Planeten Erde um euch
eine unvergleichliche Heimat zu bieten. Es sollte an nichts
fehlen. Danach kam der erhebende Moment, wo er aus seiner
absoluten Liebe, aus seiner Göttlichkeit heraus unzählige Wesen
gebar. Seelen. Ganz gerührt blickte er auf die schier unendliche
Schar seiner erleuchteten Kinder, die ihn wie frisch lackierte
Hutschpferde angrinsten.
Gott war glücklich!
>>>weiter >>>
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